Intelligente Parksysteme gegen Parkplatznot
Erschienen in "Haus und Grund Württemberg" Juli 2002. Der Autor Hanspeter Höhn arbeitet als freier Architekt in
Stuttgart. Er hat seine Gedanken und Lösungsvorschläge zur Parkplatznot in Stuttgart
zusammengefasst.
Unsere
Innenstädte ersticken in einer
Flut von Automobilen. Die Planer
unserer Kernstädte, insbesondere der als Wohn- und Bürolagen begehrten
Altbauquartiere, konnten vor 100 Jahren und mehr freilich nicht wissen,
welches Bedürfnis nach automobiler Mobilität zu Beginn des 21.
Jahrhunderts die Bürger haben würden. Deswegen sind wir heute alle, ob
als Bewohner solcher Quartiere, Besucher oder Geschäftskunden in der
misslichen Lage, dass wir unsere Autos auch parken müssen. Der Versuch
der Parkraumbewirtschaftung durch die Kommunen löst dabei nur einen Teil
des Problems. Zum einen ist es nach wie vor vom Glück des
Parkplatzsuchenden abhängig, ob und wie weit vom Ziel entfernt man einen
Abstellplatz findet.
Was bei der privaten Parkplatzsuche noch ein lässlicher Zeitverlust ist,
kann für Geschäftsleute geradezu zum Problem werden. Termine sind
einzuhalten, Akten oder Muster müssen nahe bei einem Geschäftstermin
vorgehalten werden. Kurzum: Zwischen der Struktur unserer Kernstädte und
dem modernen Bedürfnis nach
individueller Mobilität gibt es einen
Zielkonflikt. Die Grenzen der Aufnahmefähigkeit unserer Städte für
Automobilität sind überschritten.
Dabei darf die
Parkplatz-Diskussion nicht allein auf quasi-ökonomische Fragen vorhandener oder
mangelnder Kapazitäten verkürzt werden. Schließlich geht es auch um eine
ästhetische Debatte. Aus der Not haben sich die Autofahrer zum Parken schöner
Alleen, Fußgängerwege und öffentlicher Plätze bemächtigt. Das schränkt den
Lebensraum von Menschen ein. So wird die Parksituation auch in diesem Punkt
durchaus widersprüchlich wahrgenommen. Zum einen gibt es das anhaltend wachsende
Bedürfnis nach individueller Mobilität.
Zur gleichen Zeit wächst aber auch der Anspruch gerade der Bürger in den anspruchsvollen Wohnlagen aus
der Gründerzeit und dem Jugendstil an ihr Wohnumfeld.

Die
Parksituation
wird nicht nur wegen der eigenen Schwierigkeit, das Auto abzustellen
als
Belästigung empfunden. Das Auge wohnt schließlich mit. Die
Blechlandschaft vor dem Fenster wird durchaus als Minderung der
Wohnqualität empfunden.
Damit führt die Diskussion direkt zu der Frage zurück, ob die Schaffung
zusätzlichen Parkraums die
Wohnqualität eines Hauses, letztlich aber
auch eines
ganzen Quartiers heben kann. Ansätze dazu hat es über die
vergangenen Jahrzehnte durchaus gegeben. Etwa durch den Bau von
Parkhäusern. Doch sind die freien Grundstücke in den Kernstädte
inzwischen eine Rarität. Zum anderen trägt ein Parkhaus schon rein
optisch gesehen nicht zur Hebung von Wohnqualität im weiteren Sinne bei.
Eine Lösung für diesen Zielkonflikt zwischen Mobilität einerseits,
Parknot und Werthaltigkeit der Wohnlagen andererseits sehe ich in
erfolgreich erprobten mechanischen Parksystemen. Der Kniff besteht
darin, Autos auf kleiner Fläche dafür aber in zwei oder noch mehreren
Etagen übereinander zu parken. Die Systeme haben vielfältige Namen,
Versenkgarage, Doppelparker, Parksafe etc, meinen aber das Gleiche. Der
knappe Raum, etwa in Hinterhöfen, wird auf diesem Wege optimal
ausgenutzt.
Diese Systeme sind mehr als ein Instrument zur Linderung von täglichen
Parkplatzsorgen. Letztlich können
beide Seiten in einem Mietverhältnis
davon
profitieren. Der Vermieter ganz klar, weil die Immobilie durch die
Bereitstellung von überdachtem und abgeschlossenen Parkraum deutlich
aufgewertet wird. Bei dieser Überlegung sollte eine Rolle spielen, dass
gerade die häufig wohlhabende Klientel in Altbaubezirken sich teure
Automobile leistet oder gar mehr als ein Auto. In beiden Fällen, sei es
zum Schutz der PKW vor Beschädigung oder zum Schutz selten genutzter
Wagen vor Witterungseinflüssen ist eine gesicherte Parkmöglichkeit eine
echter Wertgewinn. Zumal, und das ist der direkte Vorteil des Mieters,
die Automobilversicherungen die Unterbringung von Autos in geschlossenen
Hinterhöfen, Carports oder – noch besser – Garagen durch günstigere
Prämien honorieren.
Wenn Sie in meinen Ausführungen das Parkplatzprobleme in Ihrem Anwesen
erkannt haben, dann möchte ich Ihnen gerne als kreativer Architekt einen
individuellen
Lösungsvorschlag unterbreiten.
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